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Kostenrisiko Pflegeversicherung

Vom Pflegefall zum SozialfallKinder haften für ihre Eltern ! 

PflegeversicherungDie Pflegeversicherung stellt – als ein Teil der Sozialversicherung – nicht mal eine Basisabsicherung zu Verfügung, sondern leistet nur Zuschüsse zuPflegekosten. In den sonstigen Sozialversicherungssparten (Kranken-, Renten- und Arbeitslosen-Versicherung) erhalten Versicherte mindestens eine Grundabsicherung. Die Pflegeversicherung ist im Grundsatz als Kostenzuschuss konzipiert und setzt vor allem auf die Leistungen des Familienverbundes. Im Zeitalter der Single-Haushalte und Kleinfamilien ein wenig zeitgemäßes Konzept.

In keinem anderen Bereich gibt es einen so tiefgreifenden Zugriff auf das Vermögen der Versicherten, deren Ehepartner und sogar deren Kinder und Enkel! DasSozialamt fordert im Pflegefall gezahlte Leistungen von unterhaltspflichtigen Angehörigen zurück. Auch das gibt es in keiner anderen Sozialversicherungssparte.

In den Medien sind seit einiger Zeit Begriffe wie „Pflegekosten“, „demografische Entwicklung“ und „Altersarmut“ immer wieder präsent.  Durch die Tatsache, dass wir Menschen immer älter werden und so auch der Bedarf an Pflege immer länger vorhanden ist, ist schon heute klar, dass die Kosten für die Pflege kranker und alter Menschen in Deutschland durch das aktuelle System der gesetzlichen und privaten Pflegepflichtversicherung auf Dauer nicht mehr zu finanzieren sein wird.

Auf den folgenden Seiten erhalten Sie wichtige Fakten, Informationen und Hinweise zur gesetzlichen Pflegeversicherung und zu den Kosten der ambulanten und stationären Pflege. Selbstverständlich finden Sie hier auch alle Informationen, Tipps und Gründe für  Absicherungen gegen Ihr Kostenrisiko im Pflegefall. Sie erfahren, welche Produkte sinnvoll oder weniger sinnvoll sind und wie eine optimale Sicherung der Pflegekosten für Sie aussehen kann.

Wie viele pflegebedürftige Menschen gibt es Heute und in der Zukunft ?

Im Jahr 2010 gab es etwa 2,5 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland. Die Zahl wird in den nächsten Jahren schnell wachsen. Für das Jahr 2030 wird mit einer Zahl von etwa 3,4 Millionen Pflegebedürftigen gerechnet; ein Anstieg um 36%.

Definition Pflegebedürftigkeit

Nach dem Sozialgesetzbuch XI (SGB XI) – das gesetzliche Regelwerk der Pflegeversicherung – sind Pflegebedürftige Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem Umfang oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Krankheiten oder Behinderungen sind:

  • Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat,
  • Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane,
  • Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.

Die Hilfe besteht in der Unterstützung, in der teilweisen oder vollständigen Übernahme der Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens oder in der Beaufsichtigung oder Anleitung mit dem Ziel der eigenständigen Übernahme dieser Verrichtungen. Die aktivierende Pflege ist also eindeutig eine Leistung die von der Pflegeversicherung anerkannt wird.

Gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen sind:

  •  im Bereich der Körperpflege das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung.
  • im Bereich der Ernährung das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung.
  • im Bereich der Mobilität das Selbständige Aufstehen und Zubettgehen, An und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.
  • im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung das Einkaufen, Kochen, Reinigung der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen.

Wie hoch ist der Anteil an ambulanter und stationärer Pflege ?

 

Wie sind die Pflegestufen definiert ?

Für die Gewährung von Leistungen sind pflegebedürftige Personen einer der drei Pflegestufen zuzuordnen:

– Pflegestufe 1 (erheblich Pflegebedürftige)

das sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

Die Hilfe muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten in Anspruch nehmen, davon müssen mehr als 45 Minuten auf die Grundpflege entfallen.

– Pflegestufe 2 (Schwerpflegebedürftige)

das sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrmals in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

Die Hilfe muss im Tagesdurchschnitt mindestens 3 Stunden in Anspruch nehmen, davon müssen mindestens 2 Stunden auf die Grundpflege entfallen.

– Pflegestufe 3 (Schwerstpflegebedürftige)

das sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

Die Hilfe muss im Tagesdurchschnitt mindestens 5 Stunden in Anspruch nehmen, davon müssen mindestens 4 Stunden auf die Grundpflege entfallen.

– Pflegestufe 3 (H) (Schwerstpflegebedürftige – Härtefall)

das sind Pflegebedürftige der Stufe 3, bei denen ein außergewöhnlich hoher und intensiver Pflegeaufwand erforderlich ist, der das übliche Maß der Pflegestufe 3 weit übersteigt. Dazu muss zum einen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung ständig Hilfebedarf besteht. Zum anderen muss die Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens 6 Stunden täglich, davon mindestens dreimal in der Nacht, erforderlich sein (bei Pflegebedürftigen in vollstationären Pflegeeinrichtungen ist auch die auf Dauer bestehende medizinische Behandlungspflege zu berücksichtigen) oder die Grundpflege muss für den Pflegebedürftigen auch des Nachts nur von mehreren Pflegekräften gemeinsam (zeitgleich) erbracht werden können.

Zur Vermeidung besonderer Härten kann die Pflegekasse für solche Pflegebedürftige weitere Pflegesachleistungen oder höhere Kosten bei Stationärer Pflege erbringen.

– Sonderfall – Pflegestufe 0

Diese Bezeichnung existiert im Gesetz nicht. Viele Menschen, die regelmäßig Unterstützung brauchen, um in den eigenen vier Wänden bleiben zu können, sind nicht auf so umfangreiche Hilfen angewiesen. Das wird in der Umgangssprache Pflegestufe 0 genannt. Menschen, denen bei der Begutachtung eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ bescheinigt wurde, können seit 2008 bis zu 2400 € pro Jahr für die Nutzung gerontopsychiatrischer Zusatzangebote oder Beratungen in Anspruch nehmen – auch wenn ihnen nicht die Pflegestufe I zugesprochen wurde. Die meisten stationären Pflegeeinrichtungen dürfen nur Menschen aufnehmen, denen im Gutachten des „Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) bescheinigt wurde, dass eine vollstationäre Pflege erforderlich ist. Dies wird manchmal als Pflegestufe 0 oder „Heimbedürftigkeitsbescheinigung“ bezeichnet. Das kann auch ausgestellt werden, wenn die Voraussetzungen für die Pflegestufe I nicht erfüllt sind.

Wie hoch ist die Versorgungslücke je Pflegestufe und Pflegeart ?

*)   Sachleistungen: Direkte Kostenübernahme durch die Pflegeversicherung; nur an Pflegefachkräfte.
**)  Geldleistungen: Auszahlung der Geldleistung, wenn z.B. keine Fachkräfte die Pflege übernehmen (z.B. Angehörige)
 

Welche Möglichkeiten gibt es, um für den Pflegefall vorzusorgen ?

Sobald bekannt ist, wie hoch das Kostenrisiko nach Erhalt der Leistungen aus der  Pflegepflichtversicherung für verbleibenden Kosten ist, stellt sich sofort die Frage

„Welches Produkt bietet für mich die gewünschte Leistungen ?“

Die persönliche Situation, das familiäre Umfeld und die finanziellen Voraussetzungen sind bei der Suche nach der Antwort auf diese Frage die entscheidenden Faktoren. Immerhin gilt es monatliche Kosten von rund € 1.000 bis € 4.000 zu sichern – je nach Pflegeart und Pflegeklasse. Zu den reinen Pflegekosten kommen oft noch zusätzliche Kosten für weitere Dienstleistungen oder Hilfsmittel hinzu. Auch deren Höhe wird oft unterschätzt.

 Im Versicherungsmarkt gibt es hierzu aktuell drei nennenswerte und weit verbreitete Produktkategorien:

  • Pflegekostenzusatzversicherungen
  • Pflegetagegeldversicherungen
  • Pflegerentenversicherungen

Die Produkte unterscheiden sich wesentlich voneinander. Im Folgenden erklären wir die Art der Produkte, deren Leistungen und wichtigsten Kriterien für den Leistungsanspruch. Wir nennen Vor- und Nachteile dieser Produkte und geben unsere eigene Einschätzung dazu ab.

Tipp

Nutzen Sie die Beratung durch einen Experten, um das für Sie passende Produkt zu finden, damit Sie im Pflegefall auch die gewünschte Leistung bekommen.

Welche Vor- und Nachteile weisen die Produktkategorien auf ?

1. Die Pflegekostenzusatzversicherung

Diese Produkte sichern einen festen „Zuzahlungsbetrag“ oder einen festen „prozentualen Betrag“ der tatsächlich nachzuweisenden Pflegekosten nach Vorleistung der Pflegepflichtversicherung. Ohne Vorleistung der Pflegepflichtversicherung, ist eine Leistung aus dieser privaten Zusatzversicherung meist ausgeschlossen.

Vorteile:

  • günstige Beiträge

 Nachteile

  • keine freie Verwendung der Leistung, da an tatsächlich vorhandenen Pflege-Rechnungen zugelassener Pflegedienste gebunden.
  • bei privater Pflege durch Familienangehörige oder Freunde erfolgt meist keine Leistung.
  • immer nur eine – meist zu niedrige – Teil-Deckung; eine bedarfsgerechte Absicherung von Pflegekosten ist nicht möglich.

Unsere Bewertung

Diese Produkte sind unserer Meinung nach für eine bedarfsgerechte Kostendeckung völlig ungeeignet.

2. Die Pflegetagegeldversicherung 

Hierbei handelt es sich um Produkte der privaten Krankenversicherung, die auch nach dem gleichen Prinzip kalkuliert sind.

Vorteile:

  •  individuelle Festlegung und Anpassung an den Bedarf möglich.
  • freie Verwendung der Leistung bei Einstufung in eine versicherte Pflegeklasse; kein Kostennachweis erforderlich.

Nachteile:

  • Kalkulation nach privater Krankenversicherung; dadurch nicht vorhersehbare Beitragssteigerungen während der Laufzeit sehr wahrscheinlich.
  • Beitragssteigerungen während der Vertragszeit sehr wahrscheinlich. Beiträge sind den allgemeinen Pflegekosten ausgesetzt; steigen diese im Markt, steigen auch die Beiträge, wahrscheinlich dann erheblich.
  •  hohe laufende Beiträge; je nach Eintrittsalter.
  • Beiträge sind meist auch während der Leistung fällig.

Unsere Bewertung

Brauchbare Produktkategorie, die jedoch ein gutes und sicheres Einkommen voraussetzen sollte !

3. Die Pflegerentenversicherungen

Bei dieser Produktkategorie handelt es sich um Produkte aus der Welt der Lebensversicherungen. Ein wesentlicher Unterschied zu den anderen Kategorien liegt in der Kalkulation einer konventionellen Lebensversicherung (Rentenversicherung) mit den Vorzügen der Kapitaldeckung. Dadurch werden die versicherten Leistungen im Wesentlichen aus den gezahlten Beiträgen und aus den Gewinnen aus den Kapitalanlagen der Beiträge und Überschüsse finanziert. Diese Variante macht die Leistungskalkulation verlässlich und vorhersehbar.

Vorteile:

  •  individuelle Festlegung und Anpassung an den Bedarf möglich.
  • individuelle Festlegung der Leistung je Pflegeklasse möglich.
  • freie Verwendung der Leistung bei Einstufung in eine versicherte Pflegeklasse; kein Kostennachweis erforderlich.
  • laufende Beiträge und/oder Einmalbeiträge möglich.
  • keine Beitragssteigerungen möglich.
  • Nachversicherungsgarantien möglich.
  • flexible Optionen möglich (Laufzeiten, Kapitalrückzahlung etc.)

 Nachteile:

  • höherer Beitrag (im Vergleich zu den o.g. Kategorien) durch Risikokalkulation im Kapitaldeckungsverfahren.
  • Gewinne (der Kapitalanlagen) aus dem Tarifverband erhöhen die Rentenleistung. Daher ist die Auswahl eines kapitalstarken Versicherers notwendig.

Unsere Bewertung

Unserer Meinung nach eine optimale und flexible Absicherung von Pflegekosten mit der Sicherheit der Beitragsstabilität.

Worin unterscheiden sich die Produktkategorien ?

Unsere Empfehlung:

Lassen Sie sich von einem Experten für Pflegeversicherung beraten. Eine ausführliche Analyse Ihrer persönlichen Situation, Ihrer Einkommens und Vermögensverhältnisse, ermöglicht Ihnen und dem Experten mit Ihnen gemeinsam das für Sie passende Angebot zur Absicherung des Pflegekostenrisikos zu finden.

Unser Service

Benötigen Sie Hilfe, um ein bedarfsgerechtes Produkt, welches auf Ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche ausgerichtet werden soll, zu finden? Wir helfen Ihnen gern. Sofern Sie uns nicht in unserem Büro besuchen können, führen wir auch gern eine Online-Beratung via „Online-Konferenz“ durch. Wie genau das funktioniert und wie praktisch das für Sie ist, erfahren Sie HIER.

Foto: Pflegeheim+Gerd Altmann / pixelio.de

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